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Nachruf

Der Spielmannszug der SSV PCK 90 Schwedt e.V. hat zum 31.12.2020 seine Tätigkeiten eingestellt. Am 1. März wäre er 47 Jahre geworden. Mit seinen vielen Auftritten bereicherte er viele Stadt- und Dorffeste in Schwedt und Umgebung und war stets fester Bestandteil von Lampionumzügen in den Kitas. Auch über die Stadtgrenze hinaus kannte man die Schwedter Musiker. Sie nahmen sehr erfolgreich an Landesmeisterschaften, DDR Meisterschaften und Bezirksmeisterschaften teil, waren Teilnehmer zahlreicher Turnfeste in Leipzig, Hamburg, München, Salzburg, Krems…

In der DDR Spielleutebewegung machte sich der Spielmannszug ab 1974 unter der Leitung von Bernd Neumann schnell einen Namen und errang beachtliche Erfolge. 1979 übernahm Wolfgang Schreiber die hauptamtliche Stelle des Spielmannszuges und knüpfte an die Erfolge seines Vorgängers an. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands leitete 1991 Jens Pfeiffer den Spielmannszug. Kontinuierliche Nachwuchsarbeit sicherte den Erhalt des Spielmannszuges und die Mitgliederzahlen stiegen wieder auf über 50 Kinder und Jugendliche an. Die Teilnahmen an Landesmeisterschaften, sowie am Uckermärkischen Blasmusikfest waren keine Pflicht, aber wurden gerne zur Motivation und Leistungssteigerung genutzt. Von 2010 bis 2020 leitete Mary Bartel den Spielmannszug.

In den neunziger Jahren lud der Spielmannszug befreundete Vereine zu seinen Spielleutetreffen ein. Höhepunkte in der Vereinsgeschichte waren 1988 die Ausrichtung der DDR Meisterschaften der Nachwuchsspielmannszüge und 1999 die Landesmeisterschaft in der Oderstadt. In den Jahren danach machten die Spielleute mit eigenen Konzerten auf sich aufmerksam. Die Weihnachts,- Neujahrs-, Jubiläums- und Frühlingskonzerte waren immer gut besucht. Reichte zuerst noch der Saal im Kosmonaut , musste später in die Boxhalle ausgewichen werden.

Viele Hundert Kinder und Jugendliche haben im SSV Spielmannszug nicht nur ein Instrument erlernt…sie hatten viele schöne Erlebnisse (an die sie sich noch heute gerne erinnern) und lernten Verantwortung in der Gemeinschaft zu tragen. Der Spielmannszug wurde zu ihrer zweiten Familie. Sehr viele bis jetzt bestehende Freundschaften (und auch Liebespaare) fanden sich in den über 4 Jahrzenten.

Die ersten Trainingsstunden hatten 1974 die Kinder in der Trainingsbaracke in der Breiten Allee (heute steht dort der neue Tanzraum des SSV). Ende der neunziger musste auf Grund von Baufälligkeit eine neue Trainingsstätte gefunden werden. Das PCK würdigte das Engagement des Spielmannszuges und stellte ihnen 1999 moderne, schallgeschützte Räume am Eingang der Raffenerie zur Verfügung. 2015/16 zog der Spielmannszug zurück auf das Vereinsgelände der Spiel- und Sportvereinigung.

Die Abteilung Spielmannszug war Mitglied im DTSB der DDR und später im Märkischen Turnerbund Fachbereich Musik- und Spielmannswesen und viele Jahre Mitglied im Landesblasmusikverband. Unterstützt und gefördert wurde sie durch die PCK Raffinerie, den Landessportbund, den Kreissportbund und die Stadt Schwedt, insbesondere Altbürgermeister Peter Schauer, Bürgermeister Jürgen Polzehl, Frau Schulze, Herr Wiesner und Frau Müller.

Der Spielmannszug wäre ohne die fleißige und oft aufopfernde ehrenamtliche Tätigkeit der vielen Übungsleiter nicht so erfolgreich gewesen. Dafür kann man ihnen nicht genug DANKEn !!! Auch zahlreiche Eltern können sich noch gut erinnern, wie sie die Musiker zu Auftritten und Vereinsfahrten begleitet haben oder sie im Trainingslager bekochten. Besonders engagierte Eltern fanden sich im Förderverein zusammen, der aus Anlass der Landesmeisterschaft in Schwedt gegründet wurde.

Der Spielmannszug der SSV PCK 90 Schwedt e.V. hinterlässt eine große Lücke im kulturellen Leben der Stadt Schwedt. Die Musiker hatten im Jahr bis zu 50 Auftritte! Veranstaltungen, Messen, Eröffnungen, Jubiläen und Festumzüge müssen nun ohne die musikalische Umrahmung durch den Spielmannszug auskommen.

Vielleicht werden sich irgendwann mal Leute finden, die sich an diese Tradition erinnern und das Erbe des Spielmannszuges fortsetzen…. Die SSV PCK 90 Schwedt e.V steht bereit und würde ein solches Projekt unterstützen.

Aber eines ist sicher: Der Spielmannszug wird in vielen Köpfen und Herzen ehemaliger Spielleute und Schwedter Bürger weiterleben.

Jens Pfeiffer